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ONLINE-VERÖFFENTLICHUNG DER SÜDWESTPRESSE
Creglingen. Nachdem der Tauber-Franken in der Region nur schlecht angenommen wurde, hat der Regiogeldverein "Tauber-Franken - Initiative für Nachhaltigkeit" am Freitag seine Auflösung beschlossen.
Es hatte so schön angefangen: Mit 13 Gründungsmitgliedern machte sich Mitte September 2005 die "Tauber-Franken - Initiative für Nachhaltigkeit" auf, um durch Komplementärgeld den regionalen Wirtschaftskreisläufen mehr Schwung zu geben. Der Startschuss fiel im "Grünen Baum". Zu den Gründungsmitgliedern zählt der heutige Bürgermeister Uwe Hehn, seinerzeit Kämmerer in Aub. Im "Grünen Baum" versammelten sich am vergangenen Freitag erneut die Mitglieder - dieses Mal, um über die Auflösung des Vereins zum Jahresende 2011 zu beschließen. 13 Stimmberechtigte waren anwesend.
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Zwölf von ihnen stimmten der beabsichtigten Vereinsauflösung zu. Die Einführung des Regiogeldes war zum Creglinger Weihnachtsmarkt 2006 erfolgt. Interesse war da, wie steigende Mitgliedszahlen belegen. Rund 100 Mitglieder zählt der Verein aktuell, 45 davon sind als zahlende Mitglieder stimmberechtigt. 70 Anbieter hatten die "Regionalwährung" - letztlich ein Gutscheinsystem, bei dem ein Tauber-Franken einem Euro entsprach - akzeptiert
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Doch mit der Akzeptanz war es so eine Sache: Bei etlichen Anbietern wurden Tauber-Franken eher zögerlich angenommen, den Tauber-Franken auch als Wechselgeld zu nutzten, lag dem Kassenpersonal meist fern. Regionalgeld-Initiator und Vereinsvorsitzender Peter Striffler fasste die Situation zusammen: "Es wäre eine Chance gewesen, die Region abzuheben, aber es gab zu wenig aktive Beteiligung der Mitglieder, fast keiner zahlt mit Tauber-Franken, die Resonanz der Geschäftsleute war verheerend." Kassier Gerhard Küstner hält das Regionalgeld "nach wie vor für eine Super-Idee, aber es braucht aktive Unterstützung". Die fehlt: Selbst unter den stimmberechtigten Teilnehmern der Versammlung hatte nur eine Handvoll neben dem Euro auch Tauber-Franken in der Tasche. "Wenn ich mich beim Einkaufen auch noch wegen des Tauber-Frankens ärgern muss, versuche ich es gar nicht mehr", brachte eine Teilnehmerin ihre Erfahrungen auf den Punkt.
Die Vorstandscrew schiebt schon seit langem Frust: Bei Mitgliederversammlungen und Tauber-Franken-Stammtischen blieb man meist unter sich. Nicht einmal Vereine, die bei den durch Verweil-Abwertung erhofften Tauber-Franken-Erträgen zu den Nutznießern gehört hätten, ließen sich blicken. Einen letzten Werbeanlauf unternahm man beim großen 2CV-Treffen im Sommer, wo Teilnehmer bereits am Empfang auf die Geld-Alternative hingewiesen wurden. Von der Quartalsabwertung, die sozusagen als Negativ-Zins den Umsatz beschleunigen sollte und Kernelement sämtlicher Regiogeld-Initiativen ist, hatte sich die Mitgliedsversammlung im vergangenen Jahr verabschiedet. Dass die Quartalsmarken zum Jahresanfang 2010 nicht mehr gab, war jedoch nicht wirklich bei Anbietern und Nutzern angekommen: Selbst ein stimmberechtigtes Vereinsmitglied, als Direktvermarkter auch auf der Anbieterliste vertreten, kritisierte den mit der Quartalsabwertung verbundenen Aufwand, als gäbe es ihn noch. Unter den 22 Anwesenden waren auch zwei eigens aus dem Süden des Kreises angereiste Regiogeld-Interessierte. Nach Erleben der Sitzung nahm Martin Köhler, Übersetzer aus Wertheim, einen Abgleich mit der Realität vor: Vorgestellt hatte er sich die erfolgreiche Regionalgeld-Einführung zuvor zwar als "sehr schwierig", jetzt bewertet er sie als "unmöglich". Sein Urteil: "Die Region ist nicht geeignet, die Mentalität zu konservativ."
Noch vor ein paar Monaten hatte der Verein auf den "Bürgermeister-Bonus" gehofft, mit dem der Mitgründer der Idee eventuell nochmals neuen Schwung hätte geben können. Doch auch Uwe Hehn ist aufgrund des jahrelang fast erfolglosen Kampfes inzwischen sehr skeptisch: "Vielleicht geht es der Gegend schlicht zu gut: Wir haben hier nur drei Prozent Arbeitslose. Hier kommt der Sinn von Alternativwährungen nicht an." Besser laufe es in Regionen, wo Geschäfte dünn gesät sind. Dennoch werde man im Creglinger Rathaus auch im kommenden Jahr noch Tauber-Franken akzeptieren: "Wenn jemand etwa seine Müllmarke in Tauber-Franken bezahlen will, ist das kein Problem," sichert Hehn zu.
Initiator Peter Striffler hatte bereits ab 2004 für die Regiogeld-Idee geworben. Das Engagement sah er als "basisdemokratische und konstruktive Geldkritik". Sich dafür einzusetzen, sei für ihn auch eine Frage der Zivilcourage gewesen. Dass die Mitbürger in großer Mehrheit die Initiative und die in ihr steckenden Möglichkeiten ignorierten, gelte es zu akzeptieren. Grundsätzlich ist Stiffler zwar nach wie vor davon überzeugt, dass das Regionalgeld für die Region nicht nur ein perfekter Werbeträger ist, sondern auch die regionale Wirtschaft stärken kann, aber: "Man kann die Hunde nicht zum Jagen tragen."
Info: Das allerletzte Wort über die Auflösung wird in der nächsten Mitgliederversammlung ge- sprochen. Die soll im ersten Quartal 2011 stattfinden. Falls sich bis dahin eine neue Vorstandscrew findet, könnte der Tauber-Franken noch Zukunft haben.
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Jahreshauptversammlung des Vereins Tauber-Franken e.V. Initiative für Nachhaltigkeit
Tauber-Franken e.V. - Regionalwährung als Lösungsansatz in der Krise
Das Anliegen des Tauber-Franken e.V. ist so aktuell wie nie. Denn das Hauptziel des Vereins ist die Stärkung regionaler Wirtschaftskreisläufe. Stabile regionale Wirtschaftskreisläufe, so berichten die Vorstände Peter Striffler und Uwe Hehn, machten eine Region unempfindlicher gegenüber Krisen. Mit dem Regionalgeld „Tauber-Franken“ habe der Bürger die Möglichkeit den regionalen Handel und die regionalen Dienstleiter aufzufordern verstärkt stabile regionale Netzwerke zu bilden. Allerdings profitierte der Verein nicht von der aktuell brisanten Lage auf den Finanzmärkten. Denn das Umlaufvolumen des Tauber-Frankens ist in 2009 gesunken. Als Grund für diese Entwicklung benannten die Vorstände die stark zurückgefahrene Informationsarbeit der letzten Jahre und das Quartalsmarkensystem.
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Abschaffung der Quartalsmarken Als wichtigste Entscheidung der Jahreshauptversammlung kann daher auch die Abschaffung der bisherigen Quartalsmarken angesehen werden. Durch Quartalsmarken, die jeweils 2% des Nennwertes entsprachen, wurde die Gültigkeit des Regionalgeldes vierteljährlich verlängert. Durch den neuen Beschluss kann die Gültigkeit der Regionalwährung nun jeweils zum Jahresende durch eine einzige Jahresmarke zu 2% des Nennwertes verlängert werden. Diese Änderung entspricht dem vielfachen Wunsch der Nutzer nach einer einfacheren Handhabung. Gerhard Küstner wies in seiner Funktion als Kassier darauf hin, dass sich die Einnahmen aus dem Verkauf der Verlängerungsmarken durch diese Entscheidung auch bei steigendem Umlaufvolumen stark verringern würden. Aber die Benutzerfreundlichkeit steige dadurch beträchtlich. Die Einnahmen aus dem Verkauf der Verlängerungsmarken werden satzungsgemäß zur Förderung regionaler gemeinnütziger Vereine, die Mitglieder des Tauber-Franken e.V. sind, verwendet. Im Jahre 2009 konnten 379 Tauber-Franken anteilmäßig auf den Bund Naturschutz, dem Sängerkranz Waldmannshofen 1858, der Rothenburger Projektschmiede e.V. und den Franken Knights verteilt werden. Im Jahre 2009 betrugen die Erlöse aus den Verlängerungsmarken wegen des rückläufigen Umsatzvolumens nur noch 125,- €, die jetzt in 2010 zur Auszahlung kommen.
Weiterhin stabile Mitgliedsbeiträge Gerhard Küstner betonte, dass die geringeren Einnahmen keinen Einfluss auf die Mitgliederbeiträge hätten. Die Fördermitgliedschaft ohne Stimmrecht bleibe weiterhin beitragsfrei. Der Jahresbeitrag für Mitglieder mit Stimmrecht betrage für erwerbstätige Personen sowie Gemeinden 60,-Euro. Nicht erwerbstätige Personen und gemeinnützige Vereine zahlen weiterhin einen Jahresbeitrag von 30,- Euro. Auch der Beitragssatz für Familien sei mit 90,- Euro pro Jahr stabil geblieben.
Mehr Informationsarbeit Der Verein hat sich für 2010 vorgenommen die Akzeptanz und Nutzung des Tauber-Frankens durch verstärkte Informationsarbeit zu steigern. Denn durch die ungewisse Lage auf den Finanzmärkten sei das Interesse an Hintergrundwissen zu unserm derzeitigen Geldsystem und zu Regionalwährungen groß. Gerhard Küstner beschäftigt sich privat intensiv mit den Auswirkungen von Geldsystemen. Er erklärte, das geniale an der Regionalwährung sei, dass sie anders als der Euro, durch die regional begrenzte Gültigkeit automatisch an die teilnehmenden Unternehmen in der Region zurückfließe. Durch den Tauber-Franken könne Wirtschaftsleistung nicht wie beim Euro in andere Regionen abwandern. Allerdings sei das Wissen über den Zusammenhang von Geldsystemen und wirtschaftlichen Mechanismen nicht immer leicht zu verstehen. Aus diesem Grund ernannte der Verein vier regionale Ansprechpartner für Fragen rund ums Thema Regional-Geld. Gerhard Küstner - Tel.: 09104-860246, E-Mail: gerhard-küstner@t-online.de Peter Striffler - Tel.: 09335-997436, E-Mail: peterstriffler@web.de Kathrin Krauß und Ulrich Krauß - Tel.: 09861-3495, E-Mail: info@fahrradhaus-krauss.de geben Mitgliedern und Interessierten zu dieser Thematik gerne Auskunft.
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Neues Verzeichnis der Anbieter Der Tauber-Franken wird derzeit in ca. 70 Geschäften angenommen. Die Initiative ist hierbei durch ihre Mitglieder grenzüberschreitend in den baden-württembergischen Landkreisen SHA und TBB und in den bayerischen Landkreisen NEA, WÜ und AN vertreten. Unter den stimmberechtigten Mitgliedern befinden sich neben Einzelhändler und Direktvermarktern auch vier Vereine und eine Gemeinde. Bis Ende August 2010 soll ein neues Verzeichnis aller teilnehmenden Unternehmen, Vereine und Gemeinden erstellt werden. Neben Informationen zur Regionalwährung sollen alle Anbieter, bei denen mit Tauber-Franken bezahlt werden kann, detailliert dargestellt werden. Interessierte regionale Dienstleister, Einzelhändler, Gemeinden und Vereine, die noch keine Mitglieder sind und in das Verzeichnis aufgenommen werden möchten, werden gebeten sich bis Mitte Juli 2010 bei den oben genannten Ansprechpartner zu melden. Mitglieder werden vereinsintern informiert.
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Personalien Uwe Hehn aus Creglingen, Peter Striffler aus Waldmannshofen und André Heckmann aus Waldmannshofen bilden den Vorstand und führen die Geschäfte des Vereins. Gerhard Küstner aus Emskirchen steht dem Verein auch weiterhin als Kassier zur Verfügung. Neue in das Amt des Schriftführers wurde Michael Schneider-Braune aus Weikersheim gewählt.
Ausgabestellen und Rücktausch Derzeit können in vier Ausgabestellen Euros 1:1 in Tauber-Franken umgetauscht werden. Die Ausgabestellen befinden sich in Rothenburg bei Fahrradhaus Krauß, in Aub bei der Raiffeisenbank, in Bieberehren beim Getränkemarkt Schmitt und in Creglingen beim Blumenladen Kleine. Wer Tauber-Franken nicht regional weitergegeben möchte, kann sie bei allen Ausgabestellen mit einer Rücktauschgebühr von 3% des Nennwertes in Euros umtauschen. Die Einnahmen aus der Rücktauschgebühr werden für die Erstellung von Informationsmaterialien verwendet. Eine Informationsbroschüre und die aktuelle Liste aller Unternehmer, bei denen mit Tauber-Franken gezahlt werden kann liegen in den Ausgabestellen und bei allen teilnehmenden Anbietern aus. Diese Informationen können auch bei den regionalen Ansprechpartnern angefordert oder auf der neu gestalteten Internetseite unter www.tauber-franken-regiogeld.de eingesehen und heruntergeladen werden
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Eine Welt ohne Geld
Eine Welt ohne Geld - Michael Fleischhacker im Gespräch mit Caritas-Präsident Franz Küberl anlässlich der Eröffnung des Münzkabinetts am Landesmuseum Joanneum.
Schatz von Scheifling
Vor rund zweieinhalbtausend Jahren im antiken Griechenland entstanden, ist Geld nicht mehr nur Tauschmittel, sondern hat sich längst zum wichtigsten Motor wirtschaftlicher Aktivität, Ausdruck materiellen Reichtums und Symbol ökonomischer Macht entwickelt. Unsere kommerzialisierte Wohlstandsgesellschaft hat einen Punkt erreicht, an dem ohne Geld nichts mehr geht. Geld durchdringt alle Sphären unserer bürgerlichen Welt, es ist Erfolgsgarant, Wertmesser, Maßstab, Machtmittel und: Stolperstein. Bereits rund 145.000 Menschen leben in unserem Bundesland in Armut oder sind akut davon bedroht. „Geld nicht haben" bedeutet für sie vor allem: Alltag unter schwierigen Bedingungen, gesellschaftliche Stigmatisierung und Außenseitertum.
Die Abschaffung des Geldes ist bis heute Lieblingsidee alternativer Lebensentwürfe und antikapitalistischer Programme. Doch sind eine blühende Wirtschaft, ein erfolgreicher Staat, Fortschritt und Wissenschaft, Politik und Kultur in einer „Welt ohne Geld" tatsächlich möglich? Darüber diskutieren „Die Presse"-Chefredakteur Michael Fleischhacker und Caritas-Präsident Franz Küberl.
Franz Küberl ist seit 1994 Direktor der Caritas der Diözese Graz-Seckau. Als erster Laie ist er seit 1995 gleichzeitig auch Präsident der Caritas Österreich. Als Vertreter der anerkannten Religionsgemeinschaften ist er Mitglied im Stiftungsrat des ORF. Von 1976 bis 1982 war er Bundessekretär der Katholischen Jugend Österreichs, von 1986 bis 1993 Generalsekretär der Katholischen Aktion Steiermark. Franz Küberl lebt mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen in Graz.
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